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die Stadt das Schloss die Kirche Sonstiges

Übersicht | Kurzfassung | alle Details

Geschichte der Stadt

Siedlung der Pruzzen (Barten) und Christianisierung durch den Deutschen Orden (um 1240)

Bild: Wappen der Bischoefe von Ermland
Das Wappen der Bischöfe von Ermland

Die Stadt Heilsberg wurde vor ca. 700 Jahren gegründet. So behauptet man meistens, da die Vergangenheit dieser malerischen Ortschaft nicht genauer untersucht werden kann. Noch bevor der Deutsche Orden (der mit der Eroberung des mehrfach ohne Erfolg missionierten Landes die Infrastruktur und den Fortschritt "mitgebracht" hat) an der Alle Fuß fassen konnte, existierten hier Ortschaften der Pruzzen. Der Stamm der " Barten" war besonders für eine Hartnäckigkeit und seinen Kampfgeist bekannt. Dieser hat auf dem Gebiet der späteren Stadt Heilsberg gewohnt. Sie nannten ihre Siedlung "Lecbarg", worauf auch der polnische Name "Lidzbark" zurückzuführen ist.

Nach dem Vertrag zwischen dem Deutschen Orden und dem polnischen König Konrad von Masowien (1226) zog die die mit der Missionierung beauftragte Ordensgemeinschaft nach Preußen. Nach ungefähr fünf Jahren erreichten die Ordensritter Heilsberg und bauten hier eine kleine Burg aus Holz. Der Name der Stadt, wie man bis heute vermutet, stammt vom nahegelegen Berg (pl. Góra Krzyzowa), auf dem sich ein Heiligtum der Barten befand. Während des II. Aufstandes der Pruzzen (1260 - 1274) leisteten hier die Barten den größten Widerstand, was eine große Zahl der Opfer auf beiden Seiten zufolge hatte.

1243 - Aufteilung des Ordenslandes in Diözesen und Entstehung des "Hochstifts Ermland" (1255)

Bild: Heilsberg im 18. Jh.
Heilsberg im XVIII. Jh
Kupferstich

Kurz nach der Eroberung Preußens fing man mit der Errichtung der Diözesen. Mit dieser Aufgabe wurde der Bischof Wilhelm von Modena als "besonderer Legat des Papstes" beauftragt. Am 29. Juli 1243 war der Entwurf fertig. Die nötige Bestätigung des Papstes erfolgte schon am 08. Oktober 1243. Das Bistum Ermland war das größte. Die Grenzen verliefen im Westen entlang der Linie: Elbingfluss - Drausensee - Weeske (Pasarge) einschließlich der Stadt Elbing; im Osten und Norden entlang der Flüsse Pregel und Angerapp. Dem damaligen Gesetz entsprechend nahm der Bischof ein Drittel seiner Diözese als sein eigenes Herrschaftsgebiet (Territorium) - ein zusammenhängendes Stück Land von der Kurischen Nehrung im Nord-Westen bis Rößel im Süd-Osten (die Kämmerämter: Frauenburg = pl. Frombork, Braunsberg = pl. Braniewo, Mehlsack = pl. Pieniezno, Wormditt = pl. Orneta, Heilsberg = pl. Lidzbark Warminski, Guttstadt = pl. Dobre Miasto, Allenstein = pl. Olsztyn, Seeburg = pl. Jeziorany, Wartenburg = pl. Barczewo, Rößel = pl. Reszel). Davon bekam das Domkapitel (im Jahre 1346) die Hälfte (Frauenburg, Mehlsack und Allenstein). Der Dom, also die Hauptkirche Ermlands, wurde in Frauenburg errichtet.

Der Bischof, der zusätzlich den Titel eines Fürstes bekam, wählte Heilsberg als seine Residenzstadt. Mit dieser Entscheidung machte er diese Stadt zu einem Macht- und Kulturzentrum für nächsten Jahrhunderte. Zwischen dem dritten (nicht mehr aus dem Deutschen Orden stammenden) Bischof und der Ordensgemeinschaft entbrannte ein Streit um das Schloss, den Eberhard von Neiße für sich entscheiden konnte. Es entstand ein neues Schloss. Diesmal aus roten Ziegelsteinen, nach dem Vorbild der Marienburg. Die Stadt wurde mit einer Schutzmauer (vor 1357) und drei Stadttoren (vom Nord-Osten das Mühlentor, vom Süd-Westen das Kirchentor und vom Nord-Westen das Hohe Tor (nach einem niederdeutschen Vorbild) - als einziges bis heute erhalten) umgeben. Die Innenstadt sollte nach dem Vorbild der damaligen schlesischen Städte(die Heimat des Bischofs) erfolgen. Leider war dies wegen der Höhenunterschiede und des Flusses "Alle" nicht möglich. So wurden zwar die Straßen entlang der vier Weltrichtungen gebaut und der Marktplatz auf einem Quadrat errichtet, die Kirche jedoch befand sich etwas seitlich - auf einer Stelle, wo der Fluss einen Bogen um die Stadt macht.

1308 - Heilsberg erhält die Stadtrechte nach dem "Kulmer Recht"

Lageplan der Stadt im ca.15. Jh.
Grundriss der Stadt im Mittelalter
Die Schlossanlage
Die Schlossanlage

Die Stadtrechte (die "Lokation") bekam Heilsberg ebenfalls vom Bischof Eberhard von Meißen am 12. August 1308 nach dem sog. "Kulmer Recht". Zum Lokator (Gründer und ersten Stadtvorsteher) wurde der Ehemann der Nichte des Bischofs - Johannes aus Köln (bei Brieg in Schlesien). In Ermland wurden sehr viele Niederschlesier ansässig und ihre Mundart blieb vor allem im Dominium lage Zeit erhalten - das "Breslauische". Das Mäzenatentum des Bischofs brachte viele Vorteile mit sich. Es entstand die erste Schule "für preußischsprachige Landessöhne" (im Heilsberger Schloss). Der Bischof stationierte hier auch sein Heer. Die Bürger seiner Stadt müssen sowohl im Handel (über Danzig), als auch im sonstigen Gewerbe aktiv und sehr erfolgreich gewesen sein, wenn man die hohen Steuern betrachtet, die sie an den Bischof gezahlt haben. Es gab Weber, Schuster und Ziegelbrenner. Schon gegen Ende des XIV. Jahrhunderts gab es eine Wasserleitung in die Stadt. Sie wurde von einer Quelle auf dem Ekertsberg gespeist.

1340 - Heilsberger Schloss wird zur Residenz der ermländischen Bischöfe (Kopernikus in Heilsberg)

Bild: Kirche vom Schloss aus gesehen
Das Hochschloss
vom Südosten
Bild: Kirche vom Schloss aus gesehen
Häuser an der Stadtmauer


Ein weiterer Vorteil der Residenz des Bischofs in Heilsberg waren die Gäste der Schlossherren. Der, ohne jeden Zweifel, berühmteste Gast war Leibarzt des Bischofs Watzenrode und Kanoniker Nikolaus Kopernikus. In seiner Zeit war er mehr als Arzt und Verteidiger des Landes seines Onkels (Verteidigung Allensteins gegen den Deutschen Orden) bekannt, denn als Astronom. Auf dem Schloss verbrachte er drei Jahre. Er soll auch den Bürgern Heilsbergs den Rat gegeben haben, Brot mit Butter zu schmieren, um zu wissen, auf welche Seite dieses gefallen ist, und auf diese Weise den "Schmutz-Krankheiten" vorzubeugen. Im Laufe der Jahrhunderte gab es hier auch viele Künstler, die für die Schlossherren gearbeitet haben.

Die Niederlage des Deutschen Ordens bei Tannenberg (1410) und deren Folgen:
Ermland steht ab dem II. Thorner Frieden (1466) unter dem "Patrozinium Poloniae"

Mit der Niederlage des Deutschen Ordens bei Tannenberg ändert sich für die nächsten drei Jahre die Lage. Im Schloss residiert jetzt der Hochmeister dieses Ordens. Der gutmütige Heinrich IV. Heilsberg von Vogelsang musste fliehen. Im Juni 1440 treten die Heilsberger dem "Preußischem Bund" bei. Dies führt zu keinem direkten Machtwechsel, sondern zum Wechsel des Schutzherren. Mit dem 2. Thorner Frieden (1466) wird das Fürstbistum aus dem Deutschordenstaat ausgegliedert und der Polnischen Krone unterstellt (als "Patrozinium", nicht als "Regnium Poloniae"). Der polnische König missachtet die Bestimmungen und versucht auf die Diözese Einfluss zu nehmen.

Der Pfaffenkrieg

1467-1479 sieht Heilsberg kaum noch Soldaten der Bischofsarmee, da das Kapitel zu Frauenburg wegen der Nomination (durch den polnischen König) Vincent's Kielbasa zum Bischof von Ermland mit dem sog. "Pfaffenkrieg" (mit Unterstützung des Deutschen Ordens) verhindern wollte. Der Krieg ist verloren. Trotzdem sind die Domherren zufrieden: sie treffen die Wahl! Die Bürger Heilsbergs (und Ermlands) bekommen das Appelationsrecht an den polnischen König.

1703-05 - Schwedische Besatzung Ermlands (Karl XII. in Heilsberg)

Bild: Hohes Tor (Westtor der Stadt)
Das Hohe Tor
Bild: Kirche vom Schloss aus gesehen
Die Orangerie

Es kommen wieder gute Jahre auf die Stadt zu. Viele Bischöfe "die dem polnischen König angenehm sein mussten" sind gute Landesherren. Auch wenn die nachfolgenden Jahrhunderte in Europa (und der neuentdeckten Amerika) Kriege toben, bleibt Heilsberg und Ermland davon weitgehend verschont. Es gibt durchaus Probleme: Am 23.04.1497 stehen viele Häuser in Flammen; im Jahre 1520 versucht der Deutsche Orden die Stadt einzunehmen (die Artilleriekugeln aus dieser Zeit sind an der westlichen Wand des Hohen Tors zu finden) dabei zerstören sie den nördlichen Teil der Wehrmauern; 1522 gibt es wieder einen Großbrand (diesmal schlimmer als 1497 - die nächsten zehn Jahre braucht man zum Wiederaufbau, z.B.: Rathaus erst 1528); am 24/25.03.1698 brennt die Pfarrkirche; Im Winter 1703/04 wohnt im Schloss der schwedische König, der mit seinem Heer gegen Polen zieht (1705 rauben die abziehenden schwedischen Soldaten viele Manuskripte, Bilder von Holbein und die 33 Bilder der ermländischen Bischöfe und stecken das Schloß in Brand); die Folgen der Kriege sind Hunger und Pest, die 1710 die Heilsberger schwer treffen.

Es klingt vielleicht schrecklich, ist aber im Vergleich zu den Städten in Deutschland (Religionskriege) oder in Polen (Kriege gegen Türken und Schweden) eher ruhig. In dergleichen Zeit tut sich auch sehr viel gutes. Die Kirche wird neu aufgebaut: der Turm wird mit einer Kuppel gedeckt, die Seitenschiffe auf gleiche Höhe, wie das Hauptschiff, hochgezogen. Die Stadt wird nach den Großbränden im neuen Stil wiederaufgebaut und wirkt sehr großstädtisch (Danzig und Elbing ähnlich). Vor den Toren Heilsbergs entstehen die bischöflichen Garten. Der "zweite" Palast (die sog. "Orangerie") wird im XVIII. Jh. zur Sommerresidenz. Die Lage (südwestlich der Stadt) ist bis heute leicht zu erkennen, da dieses Gebiet (seit den 30er. Jahren ein Friedhof) mit unglaublich vielen Laubbäumen bewachsen ist. Das neue Heilsberg muss sich zu einem kulturellen Zentrum entwickelt haben, da es für viele Besucher und neue Bewohner sorgte. Dazu finden Sie mehr unter "Sonstiges".

1772 - Eingliederung in Preußen und Ende der Residenzzeit der Bischöfe

Mit dem Jahr 1772 kommt auf Heilsberg eine neue Situation zu. Die Residenz des Bischofs wird aufgegeben, der neue Landesherr (der König von Preußen) führt neue Gesetze ein. Die zweitgrößte Stadt in Ermland wird zum Trabanten der neuen Militär- und Machtzentren (z. B. : Allenstein = pl. Olsztyn). Die Zahl der Polen in Ermland wird immer kleiner (sie bleiben weiterhin sehr aktiv im öffentlichen Leben).

1807 - Die große Schlacht gegen Napoleon


Das Hohe Tor
Ende XIX. Jh.

Und dennoch wird Heilsberg keine Stadt der Vergangenheit. Schon 1807 tobt hier eine der bekanntesten Schlachten Napoleons. Vom 10. bis 11. Juni wird das Gebiet vor Heilsberg (von der Jerusalem-Kapelle, der damaligen Schanze Nr. 1, über Goßendorfer See bis hin nach Lawden) zum Kriegsschauplatz der Weltgeschichte. Es treffen die vereinigten Kräfte von Russlands und Preußens und die französische Armee Napoleons aufeinander. Um die Stadt wurden auf Befehl des russischen Oberbefehlshaber Benningsen Festungslager mit Feldbefestigungen errichtet. Von hier aus startet er seinen Feldzug gegen die bei Guttstadt (pl. Dobre Miasto) stationierten Franzosen. Diese offensive konnte von General Ney am Fluss Passarge gestoppt werden. Die russische Kavallerie zieht entlang des Flusses Alle nach Heilsberg zurück. Es lief alles, wie geplant. Es sollte keine große Schlacht sein. Vielmehr lag es Napoleon daran, dass sein Gegner die Befestigungen verlässt. Doch die Murat-Kavallerie und die Solut-Korps gingen weiter. Sie stürmten (gegen den Willen des obersten Befehlshaber) die Schanzen, statt sie großräumig zu umgehen. Die dahinter herrschende Verwirrung hielt Napoleon für einen Rückzug und ordnete keine Unterbrechung der blutigen Stürme. Die Russen schickten im Gegenzug ihre Kräfte aus dem Hintergrund ins Feld. Durch einen französischen Deserteur gewarnt, waren sie sogar imstande die schweren Offensiven von Lennes und Verdier abzuwehren.

Am Abend des 10. Juni hatten die Franzosen 12 000 und die Verbündeten 9 000 tote und verletzte, darunter einige Generäle (Roussel bei den Franzosen; Kozin und Warneck bei den Verbündeten). Doch der Krieg ging weiter. Ein Tag darauf traf auf dem fast leerem Schlachtfeld die "Poznańska"-Division von des polnischen Generals Jan Henryk Dombrowski mit sächsischen und französischen Einheiten ein. Sie "beendeten" die Schlacht. Am selben Tag zog sich der gichtkranke Befehlshaber Benningsen nach Bartensein (pl. Bartoszyce) zurück. Napoleon hat aus unbekannten Gründen (wohl aus Angst vor einer Gegenoffensive) nicht im Schloss übernachtet, obwohl er in der Stadt mehrere Stunden verbracht hat. Als Erinnerung an die gewonnene Auseinendersetzung hat man den Namen der Stadt auf dem Triumphbogen in Paris verewigt. Ob das für einen Heilsberger als Ehrung zu bezeichnen ist, sei dahingestellt.

1823 - Die Entstehung der evangelische Gemeinde unter dem Patronat Friedrich Wilhelm III.

Bild: Die evangelische Kirche in Heilsberg
Die evangelische
Kirche in Heilsberg
Bild: Blick auf das Hochschloss vom Südosten
Blick auf das Hochschloss
vom Südosten

Nachdem die Franzosen das Gebiet Preußens verlassen haben wird wieder gebaut (aber auch abgebaut). Da nicht immer der Baustoff für die Errichtung neuer Häuser reicht, werden einige alte Gebäude abgetragen. Zu diesen gehören: das Mühlentor (im Osten der Stadt; 1817-1818), das Kirchentor (im Südwesten; im gleichen Zeitraum) und Großteil der Stadtmauern. Vom Westtor der Stadt blieb nur der Barbakan (Vortor) - heute irrtümlicherweise als "Hohes Tor" bezeichnet. Es gibt auch das Gegenteil! Es entstehen neue Stadtteilen wie z. B. die "Neustadt", Gebäudereihen vor dem Hohen Tor - Heilsbeg dehnt sich nach Westen aus.

Am Ende der zuvor erwähnten Häuserreihe lässt der preußische König eine evangelische Kirche bauen (1821-23). Friedrich Wilhelm III. übernahm höchspersönlich die Aufsicht über die Entstehung der ersten protestantischen Kirche in Ermland. Der Bau entstand unter dem Einfluß Karl Friedrich Schinkels: als Steinbau geplant - ausgeführt als brettverschachtelter Fachwerkbau. Die Architektur erinnert sehr an eine Basilika: draußen Zwei Türme, dazwischen eine Vorhalle, drinnen ein rechteckiger Chor mit hoher Absis sowie Emporen über der Vorhalle. Das Gotteshaus, wie damals üblich, war von einem Friedhof (für die Mitglieder der ev. Kirchengemeinde) umgeben.

1865 fällt das "alte Rathaus" einem Brand zum Opfer. Mit ihm vernichtet das Feuer zwölf andere Gebäde. Das Rathaus wird nicht wieder aufgebaut. Der "neue" Rathaus wurde auf der Ecke der heutigen Ratuszowa-Straße, nahe an den Stadtmauern, errichtet.

1914 - Erster Weltkrieg und Heilsberg


Das Hohe Tor
Ende XIX. Jh.

Am 25. August 1914 floh ein Großteil der Heilsberger aus Angst vor den Russen nach Wormditt. Da dort kein Weiterkommen möglich war, zogen viele zurück. In der Nacht vom 27. auf den 28. August entstand in der "Kiehlschen Mühle" aus unbekannter Urache ein Brand, der auch das Elektrizitätswerk zerstörte und Heilsberg für über eine Woche "im Dunkeln ließ". Am 28. August wurde ein russischer Ziegelarbeiter - der angeblich russischer Offizier gewesen sein soll und auf die deutschen Posten geschossen hatte - nach Verkündung der Todesstrafe auf dem Marktplatz im sog. "Totenbruch" (Bischofsteiner Chaussee) standrechtlich erschossen. Am 29. August 1914 zogen ca. 6000-8000 russische Soldaten um Heilsberg zusammen. Um neun Uhr morgens betrat die Stadt eine Eskadron russischer Dragonen (Kavallerie). Die Großzahl der Soldaten biwakierte in der Nähe des Heimes für schwer erziehbare Kinder St. Raphael auf den ehemaligen preussisch-russischen Schanzen von 1810. In der Stadt verhielten sie sich eher kultiviert. Die einzigen Ausnahmen waren: gelegentlicher Raub von Uhren und Erzwingen der Ausgabe starker alkoholischer Getränke. (Die Zerstörung der Weichen auf den Bahngleisen und der Anlagen der Post als übliche Kriegshandlungen rechnen wir nicht dazu.)

Um Chaos in der Stadt zu vermeiden und die Versorgung der Daheim gebliebenen zu gewährleisten, beschloss Beirat Fisahn mit anderen Stadträten, die Läden unter öffentliche Verwaltung zu stellen. Nicht alle Bäckereien und Fleischläden hatten zu. Die Gaststätten, die eröffnet werden "mussten", schenkten keine Brände aus. Die Brauerei wurde unter Aufsicht von Vitalis Reddig udn später Josef Schlegel. Die Läden beaufsichtigten Herrn: Bönki (Baderstraß und beim Kirchentor), Johannes Koslowski (Langgasse, Marktplatz), Poboß (Fleischergasse, am Mühlentor). Wasserleitungen, die beschädigt wurden reparierten Lehmann und Macharski. Mit Hilfe des Heilsberger Friseurs Matern entkammen die übriggebliebenen Landsturmleute in zivilen Kleidern aus der Stadt. (Das vom Besitzer verlassene "Centralhotel", das von Flüchlingen verwüstet worden war, wurde unter amtliche Verwaltung genommen. Es stand bis 1945.)


Hotel Central am Martktplatz

Am 3. September rückte morgens eine Schwadron Russen aus. Nur Wenige kamen zurück. Bereits am Abend desselben Tages ritt eine Kavalleriepatrouille in die Stadt. Am Tag darauf zogen ca. 20 000 Mann der 1. Reserve-Armeekorps mit ganzem Stab nach. Die ca. 3000 Opfer des 1. Weltkrieges aus der Umegebung von Heilsberg, darunter: Russen, Rumänen, Briten, Franzosen, Italiener und Serben (sowie belgische Zwangsarbeiter und deutsche Flüchtlinge aus Wolynien, wurden im Wald (Nähe Bartensteiner Straße) östlich der Stadt begraben. Eine steinerne Pyramide (Russen) und eine bronzenes Schwert (später Kreuz aus Sandstein - Briten) wurden von ehemaligen Mitkämpfern und Mitgefangenen gestiftet. In demselben Wald sollen auch die Gefangenenlager gewesen sein.

1937 - "Die Heilsberger Ereignisse"


Heilsberger Brauerei St. Georg (?)

Keller des neuen Rathauses
Heute eine Bar

Am 27. Mai 1937 unterbrach eine Truppe von Landjägern (auf befehl des Bürgermeisters Margenfeld und des Kreisleiters Wohlmuth) die Fronleichnahmsprozession (eine Art religiöse Kundgebung zur Verehrung des Leibes und des Blutes Christi in katholischen Gegenden) und ertriss der Fahnenabordnung der Jugendverbände die Banner. Zwischen dem ersten und zweiten Altar entstand eine lägere Pause. Männer kamen den Jugendlichen zur Hilfe. Doch, um die Andacht nicht zu unterbrechen, gingen die Gläbigen weiter. Nach dem Abschluß begaben sich die Priester (Domherr und Pfarrer Alfons Buchholz, Joannes Jordan, Walter Hippler und Hugo Szinczetzki) mit einer Großzahl der Prozessionsteilnehmer zum Rathaus, um die rechmäßig mitgeführten Fahnen der Jugendlichen zurückzufordern. Doch die Überzeugung der Gläubigen, dass diese Störung der Andacht auf diplomatischer Ebene eklärt und wiedergutgemacht werden kann erwies sich als nichtig. Schon am frühen Nachmittag trafen die im Vorfeld schon bereitgestellten gut bewaffnete Truppen der königsberger Gestapo in Heilsberg ein. Es konnten also weder die Banner noch die Prozession als solche der Grund für das wiederrechtliche Eingreifen der Patreimitglieder und der Geheimen Staatspolizei sein. Die Aktion wurde seit langem schon vorbereitet und in ganz Deutschland einmalig.

Was der wahre Grund für diese wiederrechtliche Intervention der Staatlichen (eigentlich: politischen) Gewalt war, wird man an den Folgen erkennen. Am selben Nachmittag wurden sieben Männer (darunter auch männliche Nichtvolljährige) von der Gestapo verhaftet und in das Heilsberger Rathaus gebracht. Die vier Priester traf dasselbe Schicksal. Im Unterschied zu den Laien wurden sie in der Nacht verhaftet (um einen Aufstand unter den Heilsbergern zu verhindern). Unter Misshandlugen wurden sie verhört. Vor dem Sondergericht in Königsberg wurden sie aufgrund von Meineiden der Zeugen und nach Verhandlungen zwischen dem Gerichtsvorsitzendem und dem Gestapoleiter verurteilt. Gegen die Geistlichen verhängte man Strafen in Höhe von einem bis drei Jahren (nach der Haft: Ausweisung aus Ostpreußen von Buchholz, Szinczecki und Hippler), gegen die Laien von fünf Monaten bis einem Jahr Gefängnis. Weitere Folge der "Heilsberger Ereignisse" war ein Verbot der Vereinsarbeit der Katholischen Kirche und des Religionsunterrichts. Dies war der Grund für das Vorhaben der Partei. Doch die Kirche gab sich nicht geschlagen. Der Bischof Maximiliam Kaller klärte die Zugehörigen der Diözese in einem Hirtenbrief über das Geschehen in Heilsberg auf und gab ihnen eindeutig zu verstehen, dass der Weg des Nationalsozialismus niemals der Weg der Katholiken sein kann, indem er sich auf die Aussage des bayrischen Gauleiters Wagner (es gäbe noch ein einziges noch verleibendes Hindernis im öffentlichen Leben des Dritten Reiches - die Kirchen) berief. So kam es, dass die Wirkung im Gegensatz zum Ziel der Partei stand: Die katholischen Verbände nahmen an Mitgliedern zu.

(Genaueres in:
Gerhard Keifferscheid, "Das Bistum Ermland und das Dritte Reich" in Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde Ermlands ZGAE, Bd. 1, Münster 1975
A. Buchholz, Die Fronleichnahmsprozession
)

Demnächst werden folgende Kapitel hinzugefügt:

Heimatmuseum, die sog. Befreihung, die Wende

die Stadt das Schloss die Kirche Sonstiges

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